Philosophie

16:26 – 17:15 _ Sonntag

30. März 2014 · 1 Jahr 50, Jahrbuch für Freidenker; Robert Smajgert

Was vor über 2500 Jahren im antiken griechischen Kulturkreis unter dem heute geläufigen Begriff Philosophie erwachsen ist, ist die Einsicht und Überzeugung in die bedingte Nutzungsfähigkeit des Denkens zur Gestaltung des besseren und besten menschlichen Lebens.

Dabei stellt sich das philosophische Denken ursprünglich nicht als trockene abstrakte Reflexionskunst dar, sondern ist selber schon in seinen angewandten Mitteln – Dialog und Begegnung – ein vollwertiger Teil des zu erstrebenden Besseren.

Ein ungleiches Paar
Ein ungleiches Paar

Dort wo Menschen zusammenkommen und bereit sind, sich im Gespräch über ihre Wahrnehmungen, Annahmen und Zielsetzungen bewusst zu werden, um diese Reflexionen anschließend einer aufrichtigen Prüfung auf ihren Zuträglichkeitsgehalt fürs Dasein zu unterziehen, geschieht Philosophie=Freund der Weisheit als `Philasophie=Freude an der Weisheit´ und ist zum großen Teil praktische Politik durch Ethik.

Philosophie ist demnach ein gängiges Verhalten des gesunden Menschenverstandes, der bereit ist mit seinem denkreflektorischen Vermögen kognitive Barrieren zu sichten und gelegentlich auch handelnd zu überschreiten, um im Verstehen des Eigenen, die Ordnung des Anderen und Neuen zu erfahren.

In dieser Anwendung zeigt sie sich also mitunter als Freiheitsvermögen, das in der Lage ist, Transformation aus kognitiven Quellen zu generieren.

Der moderne Mensch ist insofern der philosophisch disponierte Mensch, in dem Urteilsvermögen in Abhängigkeit zur Mobilität des Wahrnehmungs-raumes kulminiert. Fehlt dem menschlichen Leben das entscheidende Quantum mentaler Befreiungsenergie, das die philosophische Disposition anregen kann, so kann er schwerlich der Bewegung des ständigen Werdens ins Kommende gerecht werden.

Der akademische Anspruch, in der Philosophie eine Spezialwissenschaft herauszubilden ist allerdings Geschichtsphilosophie oder Systemtheorie, jede lebensbedeutsame Denkfigur aber benötigt Aktualität, weshalb alles Denken uns nur dann zum Besseren führt, wenn wir darin nicht ein Mittel zur mentalen Vorratshaltung und maximalen Abstraktionsleistung erblicken, sondern ein Anwendungsinstrument zur aktiven Daseinsgestaltung, dass unsere Fühlwelt tangiert.

Ist Erkenntnis noch ein Nebenprodukt von Philosophie, so zeigt sich ihr wahrer Charakter in der menschlichen Solidarität.

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