UnVEREINbar!

Der Deutsche an sich, sagt man, verbringt seine Freizeit doch am liebsten im Verein. Nicht umsonst gibt es den alten Witz: „Treffen sich drei Deutsche, gründen sie einen Verein.“  Folgt man einer Erhebung der Stiftung für Zukunftsfragen, hat sich die Zahl der Vereine im  Vergleich zu 1970 auf 600.000 nahezu verfünffacht. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Vereinsmitglieder – nur noch 44 Prozent der Bevölkerung sind Vereinsmitglieder.  Die Mitglieder werden für die Vereine also immer wichtiger. Wer hätte das gedacht?

Wer jetzt einen Aufsatz über deutsche Gemütlichkeit erwartet, wird enttäuscht werden. Es geht um Führung und Verantwortung oder um die Fragen: „Wie ernst muss ich die Mitglieder meines Vereins eigentlich nehmen?“ und „Wie wichtig ist der Vorstand?“

Hier unterscheiden sich naturgemäß die Meinungen ganz gewaltig. Beide Gruppen glauben unverrückbar, sie würden den Verein mit Leben erfüllen und ohne sie würde es nicht gehen. Dumm nur, wenn dabei die gegenseitige Abhängigkeit und das gemeinsame Ziel vergessen wird. Spätestens während der Mitgliederversammlung stehen sich dann beide Gruppen als Kontrahenten gegenüber und lassen ihre Muskeln spielen.

Ein großer Essener Verein hat das vor kurzem als Paradebeispiel vorgeführt. Der Vorstand sieht sinkende Mitgliederzahlen, geringere Drittmittel und wachsende Instandhaltungskosten und möchte eine Zwangsumlage für alle Mitglieder zur Zukunftssicherung. Die Mitglieder sehen fehlende Attraktivität der Angebote, mangelnde Zukunftsorientierung sowie eine selbstherrliche Führungsattitüde und sind bereit, einen zusätzlichen Beitrag zur Zukunftssicherung zu akzeptieren – allerdings zur Investition in die „richtigen“ Belange, über einen begrenzten Zeitraum und natürlich mit vollständiger Transparenz und Mitbestimmung.

Der Vorstand will Legitimation und finanzielle Rückendeckung für hohe Investitionen. Die Mitglieder wollen Zugeständnisse und sich nicht als Stimmvieh missbrauchen lassen. Recht haben sie – alle beide!

So kommt es, wie es kommen muss – beide Parteien sind sich im Grundsatz einig und trotzdem wird der Antrag abgelehnt. Der Vorstand ist beleidigt und die Mitglieder wissen mit ihrer eigenen Entscheidung auch nichts anzufangen.

Und nun? Tja! Alles, war recht ist, das war dumm! Jetzt hilft nur noch ein Neuanfang.

Wollen wir hoffen, dass dafür der Vorstand und nicht die Miglieder zurücktreten, damit in Zukunft nicht noch mehr Vereine noch weniger Mitglieder haben.

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