Worte

5:08 – 6:10 _ Freitag

21. Februar 2014 · 1 Jahr 50, Jahrbuch für Freidenker; Robert Smajgert

Worte sind signifikante Lautzeichen, die beim Menschen aus sozialer Gruppeninteraktion erwachsen und Denken ermöglichen. Ohne Worte kein Denken! Im Rahmen des mentalen Aneignungsprozesses der Lautzeichen durch den Einzelnen im Gruppenverband stellt das Denken die Trainingsfolie für eine aktive, verbale Kommunikation mit anderen Mitgliedern dar, in dem die Worte eine ständige Spieglung ihrer Bedeutung im Geistfeld des Organischen des sie Nutzenden auslösen.

Worte gestalten in ihrer Begriffsbildung mechanische Objektivierungen der Wahrnehmungswelt und zeigen sich darin als interessengeleitet. Jedes Wort und damit jeder Gedanke an uns sind Teil unserer stets handelnden Erscheinung und Ausdruck einer Kultur.

Verdeutlichen wir uns die Relevanz dieses Zusammenhanges durch eine einfache Kausalitätsreihe:

__ Worte erwachsen dem Menschen in der Lautbegegnung mit anderen Menschen.
__ Worte sind Bedeutungsträger von Aktionen und Gegenständen.
__ Der ständige Gebrauch dieser Worte im Einübungsprozess seiner Nutzung findet im geistigen Wirkmechanismus unserer körperlichen Erscheinung durch innere Resonanzspiegelung statt.
__ Die verbale Kommunikation – als spezifische Begegnungsform mit anderen Menschen – ist unmittelbar für die Herausbildung der inneren Sprechakte verantwortlich, die wir Denken nennen.
__ Denken als inneres Sprechen ist demnach ein absolutes Abbild von menschlicher Umwelt und Interaktionsformen. Es steht an keiner Stelle außerhalb dieser Grundlagen und bewirkt immer eine spezifische, kognitiv-kulturelle Vorstellungsbildung.

Der intensivste Akt der Wortaneignung überhaupt geschieht auf dem Wege über Schrift und Lesen. Durch diese haptische Dimension der Wortnutzung werden die Bedeutungszuweisungen quasi operativ in den Körper geschrieben, wodurch sich verstärkt kognitive Handlungsreaktionen in organische Abläufe einwachsen. Ohne die Kulturtechniken Schrift und Lesen müssen wir wohl von einem geringeren Denkvermögen bei Menschen ausgehen. Wobei wir das Denken grundsätzlich nicht allzu sehr überhöhen sollten.

Der Mensch ist nicht sein Denken in dem Sinne, das Denken ein unvergängliches Seelen-Ich darstellt.

 

Es ist nichts anderes als die Summe und der Gebrauch von Worten, die wir mit anderen teilen.

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